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Donnerstag, 25. November 2010

Die stolze Seele

Die Menschen waren sehr stolz auf ihre Leistungen. Jeder auf seine eigene. Deshalb wollte sich auch niemand von jemand anderem dreinreden lassen, oder helfen lassen. Es sollte das eigene Werk sein, auf das man stolz war, nicht jemand anderes.

Also arbeiteten die Menschen sehr hart, um ganz besondere Werke zu schaffen. Solche, auf die sie selber stolz sein konnten. Und wenn jemand anderer sie ansah und dann schnell wieder ging weil er seine eigenen Sachen verbessern wollte, dann war klar dass man etwas besseres geschaffen hatte, etwas auf das man sehr stolz sein konnte.

Tipp: Die Besten erkennen und benennen

Mittwoch, 24. November 2010

Die jammernde Seele

Es war ein hilfsbereites Land. Wann immer jemand in Not war, wurde ihm geholfen. Wem es schlecht ging, wer jammerte, dem gab man etwas. Es sollte schliesslich niemand nur wegen einer kleinen Unpässlichkeit aus der Gemeinschaft heraus fallen.

Die Menschen lernten aber dass es garnicht notwendig ist dass es einem schlecht geht, um etwas gutes zu bekommen. Man braucht ganz einfach nur ab und zu ein bisschen jammern, und schon kommt man besser weg. Und so jammerten alle, wenn es ihnen schlecht ging sehr, wenn es ihnen gut ging etwas weniger.

Tipp: Von Jammern und Lachen - Zur österreichischen Sinnlichkeit

Dienstag, 23. November 2010

Die friedliche Seele

Das Land war von vielen Konflikten zerrüttet, jeder wollte das meisste für sich, aber irgendwie entstanden dabei immer mehr Konflikte, immer mehr Menschen waren unzufrieden.

So kam es dass man den Wert des Friedens zu schätzen lernte, und immer wenn ein Konflikt zu gross wurde steckte man die ursprünglichen Interessen etwas zurück und trachtete danach, den Konflikt zu entschärfen oder nach Möglichkeit gar zu beheben.

Und so lernten die Menschen voneinander, dass das was sie anfangs als Störung und Behinderung empfanden nicht die Absicht der anderen war, sondern dass die ganz eigene Interessen verfolgten, dass es überhaupt ganz andere Interessen gab, und dass die auch gut waren - aber halt nur für die anderen. Sie mussten das Fremde aneinander kennen lernen.

Tipp: whywar.at - Frieden machen

Montag, 22. November 2010

Die liebliche Seele

Die Menschen waren glücklich und zufrieden. Alles was ihnen passierte nahmen sie für etwas Gutes, in allen denen sie begegneten sahen sie das Gute, aus allem was sie vorfanden machten sie etwas Gutes. Es entstanden viele wundervolle Bewegungen, Begegnungen, Dinge und Gedanken.

Tipp: YouTube - Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

Sonntag, 21. November 2010

Die hässliche Seele

Die Menschen saßen alle in einem Boot. Und keiner konnte irgend einen anderen leiden.

Der eine hatte mehr als man selbst, und das war schlecht. Der andere hatte weniger als man selbst, und war daher schlecht. Manche hatten gleichviel wie man selbst, und das ging schon garnicht.

Ausserdem verhielt sich niemand so wie man es von ihm erwartete. Der eine tat zu wenig, der andere zu viel, und der dritte tat das Richtige aber aus den falschen Gründen. Eine Zumutung sondergleichen!

Weil das alles so untragbar hässlich war, wollte keiner den anderen sehen, geschweige denn mit jemand anderem reden. Ausser fluchen, beschimpfen, anbrüllen, jammern, und beleidigen natürlich. Ignorieren sowieso.

Das Antlitz Gottes war entsetzt, aber jenes des Teufels gegenüber konnte einen breiten Grinser nicht verbergen.

Tipp: evangelium.de - 10 Dinge die uns von Gott wegziehen können

Samstag, 20. November 2010

Die konfuse Seele

Das Land war im Umbruch. Manche Menschen hatten begonnen nach einer neuen Religion zu leben, mit neuen Göttern und neuen Regeln. Sie verhielten sich anders.

Solange die Neuen unter sich waren lief alles reibungslos, und solange die Alten unter sich waren lief auch alles reibungslos. Aber wenn Alte und Neue zusammen kamen entstanden Streitigkeiten, weil die gegenseitigen Erwartungen enttäuscht wurden.

Weil die Neuen und die Alten genau gleich aus sahen, wusste man vorher nie ob eine Verhaltensweise gut gehen oder einen Streit auslösen würde. Das brachte einge grosse Verunsicherung in das Land, eine grosse Unruhe, niemand wusste wo es hin gehen sollte.

Es war aber so dass die Alten ängstlicher waren als die Neuen, und deshalb im Umgang mit ihnen unbekannten Menschen zurückhaltender agierten. Den Neuen war das nicht wichtig, sie riskierten auch einen Streit. Und so kam es, dass sich das Neue immer mehr ausbreitete.

Tipp: Wenn sich Mehrkosten lohnen - Der Einfluss der Populationsdynamik auf die Evolution

Freitag, 19. November 2010

Die reichliche Seele

Im Land herrschte rege Betriebsamkeit. Jeder strebte danach, das Optimum für sich zu bekommen. Zum einen, indem jeder für sich besorgte was er brauchte, zum anderen indem jeder, wenn er merkte dass er etwas besser konnte als andere, dieses den anderen anbot, so dass auch andere von seinem besseren Talent profitieren konnten.

Wenn manche mit ihrem Einsatz viel mehr Geld als andere verdienten, dann wussten alle dass das etwas war das gebraucht wurde, und viele machten es nach. Jene aber die viel weniger verdienten als andere, wussten dass das was sie taten nicht mehr so gebraucht wurde und suchten sich etwas wertvolleres zu tun.

Und weil in dem Land viele verschiedene Menschen lebten, gab es auch viele verschiedene Tätigkeiten, viele verschiedene Produkte, und die Menschen wurden sehr reich, weil sie gemeinsam all die vielen verschiedenen Vorteile die ihnen das Land bot optimal für sich nutzen konnten.

Tipp: Stephan Otto - Ein Agentenbasierter evolutionärer Adaptions- und Optimierungsansatz für verteilte Systeme

Donnerstag, 18. November 2010

Die ängstliche Seele

In einem grossen Land lebten viele Menschen. Sie waren alle gutmütig, auch mutig, aber jeder hatte vor irgend etwas Angst. Und so kam es dass immer wenn irgend etwas passierte, irgend jemand vor Angst aufschrie, um die Menschen davor zu warnen.

Und dann fürchteten sich alle.

Weil aber immer irgend etwas passierte, schrie immer irgend jemand auf, und so fürchteten sich immer alle. Und wenn doch eine Weile absolute Ruhe herrschte, dann begann sich jemand davor zu fürchten, dass jetzt nie wieder etwas passieren würde und schrie vor Angst laut auf.

Und dann fürchteten sich erst recht wieder alle.

Tipp: Massenpanik: "Erdbebenartige Schockwellen"