Samstag, 22. Mai 2010

Beziehungsstörung

Die Menschen hatten sich in zwei Gruppen gespalten.

Die einen betracheten die Welt so wie sie war, konkret, materiell. Für sie war es klar, wenn gestern etwas so gewesen war und heute anders, dann wussten sie dass eine Mutation geschehen war. Wenn sie für diese Mutation eine eindeutige Vorhersage machen konnten, nannten sie es gesetzmäßig, andernfalls zufällig. Und von den zufälligen Veränderungen nannten sie jene, die häufig vorkamen, wahrscheinlich, und jene die selten vorkamen unwahrscheinlich.

Die anderen erlebten die Welt in einem ständigen Fluss, mal auf, mal ab. Sie beeinflussten die Welt, und die Welt beeinflusste sie. Nichts war beständig, ausser der Fluss selbst, aber der war niemals gleich denn er bestand aus den Einflüssen und jeder Einfluss war auch eine Veränderung des Flusses.

Getrennt voneinander bildete man sich in jeder der beiden Gruppen eine Meinung über die Welt.

Die einen forschten nach den Gesetzmäßigkeiten der Natur und fanden, dass die Welt klein angefangen hatte, sich ständig veränderte, und dass es sehr unwahrscheinlich war dass die Welt so geworden war wie sie war. Was eigentlich ein Wunder gewesen wäre, wenn sie denn an Wunder geglaubt hätten.

Die anderen meditierten über die Eigenschaften des Flusses und fanden, dass er nur deshalb so gross hatte werden können weil die den Fluss verstärkenden Einflüsse mehr und stärker waren als die den Fluss schwächenden Einflüsse, und dass die ganze Welt also, von Nichts beginnend, rein durch die den Fluss stärkenden Einflüsse zustande gekommen sei. Die anderen Einflüsse lehnten sie ab, wodurch sie eigentlich auch die Veränderung des Flusses und den Fluss selbst ablehnten, was für jemand der an den Fluss glaubt sehr unwahrscheinlich gewesen wäre, wenn sie denn in Wahrscheinlichkeiten gedacht hätten.

Gemeinsam war den beiden Gruppen nur, dass sie ihren jeweils eigenen Fehler nicht bei sich bemerkten, sondern nur dass die anderen etwas taten dass nicht zu ihrem Weltverständnis passte. Und so machten sie einander Vorwürfe, stritten sich, und lehnten die Auffassung der jeweils anderen ab.

Was wahrscheinlich ein verstärkender Einfluss ist, sofern man annimmt dass die Herausforderung der den Fluss stärkenden Einflüsse durch den Fluss schwächende Einflüsse eine Gesetzmäßigkeit in der Entstehung der Welt ist.

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