Sonntag, 31. Januar 2010

Entwicklungszauber

Lange hatte es gedauert, bis die Menschen mit dem einen Gott ein Mittel gefunden hatten um die alten Stammesidentitäten zu überwinden.

Es war ja früher nicht so notwendig gewesen, die Menschen lebten noch in kleineren Gruppen, trafen sich nur gelegentlich zum Austausch.

Doch je enger das Zusammenleben wurde, desto konfliktreicher wurde es auch, und immer wenn das Misstrauen überhand nahm, schlossen sich wieder die alten Stämme gegeneinander zusammen.

Die vorherigen Versuche, dies zu umgehen, die heiligen Stätten, Rituale und Geschichten hatten schon gut funktioniert, aber der Trick mit dem einen Gott war einfach genial.

Und so wurden die anderen Götter und Rituale weniger bedeutend, und als der eine Gott die Übermacht hatte, ging man auch radikal daran, alles alte zu zerstören.

Und man lehrte den jungen Menschen, dass der eine Gott die Welt erschaffen habe, und davor habe es nichts gegeben. Es war alles Gottes Werk.

Lesetipp: Neues aus der Werkstatt der Evolution

Samstag, 30. Januar 2010

Wettbewerb

Die Wettkämpfer zogen aufs Feld um ihre Stärke zu messen. Kraft, Technik, Taktik und Spielzüge, alles war vorbereitet und optimiert, um zu Gewinnen. Und jede Runde des Wettbewerbs wurde genutzt um sich zu verbessern.

Die Evolution der Täter.

Die Spekulanten zogen ins Wettbüro um ihre Erwartungen zu messen. Bewertungssysteme, Kennzahlen, Korrelationen und Zufallsvariation, alles war vorbereitet und optimiert, um zu Gewinnen. Und jede Runde des Wettbewerbs wurde genutzt um sich zu verbessern.

Die Evolution der Beobachter.

Lesetipp: eurozine - Der Wettbewerb und die Bewerbe des Wettens

Freitag, 29. Januar 2010

Zweierlei Eigensinn

Der starke Mann war voll und ganz auf seine Kraft bedacht, er tat nur was ihm nützte und seiner Kraft zuträglich war. Jegliche Schwäche anderer nützte er zu seinem Vorteil aus, aber jegliche Schwäche an ihm selbst tarnte er.

Und so wurde er zu einem unbesiegbaren Giganten.

Die sensible Frau war voll und ganz auf ihre Bedürfnisse bedacht, sie kannte sich sehr gut und wusste genau mit welchen Mitteln sie ihr Wohlbefinden steigern konnte. Auch an anderen Menschen konnte sie sofort erkennen was sie brauchten und wie sie ihnen helfen konnte.

Und so wurde sie zu einer makellosen Heilerin.

Als sich die beiden eines Tages begegneten, sah er sofort wie schwach sie war, wie leicht zu beeinflussen, wie hilflos. Er musste sie schützen und versorgen. Und sie erkannte sofort wie vernachlässigt er war, wie einsam und blind gegenüber der Welt. Sie musste ihn heilen und mit den Menschen versöhnen.

Tipp: Integration des Inneren Kindes

Donnerstag, 28. Januar 2010

Soziallifting

Die Reichen des Landes waren sehr stolz auf ihre Errungenschaften, und wussten diese auch zu verteidigen.

Die Armen aber wurden ausgebeutet, mussten in den Fabriken der Reichen arbeiten, bekamen nur wenig Löhne und wurden nicht geachtet.

Manche Reiche waren emotional bedürftig, sie erkauften sich Zuwendung, indem sie Geld verschenkten. Ihre Sünde wurde bestraft, sie verfielen in Armut.

Manche Reiche waren geizig, sie wollten in den Reihen der Reichen weiter nach oben kommen und erpressten die Armen. Sie waren aber nie gerne gesehen und kamen wegen ständigen Konflikten mit den Armen nicht weiter.

Kluge Reiche aber erkannten den Wert dessen, das man den Armen auch zu etwas Wohlstand verhalf. Denn so konnten die sich mehr Produkte leisten und den Reichtum weiter mehren.

Und so machten sie ihr Geschäft damit, dass sie den Reichtum der Reichen mehrten indem sie den Armen zum Anschein von Reichtum verhalfen.

Musiktipp: Moby - Lift Me Up

Dienstag, 26. Januar 2010

Ewige Werte

Die Menschen hatten einen Glauben gefasst, und dem folgten sie. Er brachte ihnen Wohlstand, befreite sie aus ihrer Not. Er wurde als der einzig wahre Glaube gepriesen.

Die Ungläubigen aber, die an alte, irrige Werte glaubten, suchten sie zu bekehren. Die Unverständigen aber, hoffnungslose Fälle, verdrängten oder unterdrückten sie.

Aber dann kamen Eroberer aus einem fremden Land, ungläubige, böse, herrschsüchtige Leute, die alle unterwarfen die sich nicht ihrem bösen Glauben anschlossen.

Und so formten die Menschen eine Widerstandskraft, im Namen ihres ewigen Glaubens, um gegen diese Frevlerei aufzustehen und die Menschheit vor dem Untergang zu retten.

Tipp: gegen rechts - Heiliger Krieg

Montag, 25. Januar 2010

Gewaltmonopol

Frieda wusste, wenn Sie sich an die Regeln hielt, dann würde sie in Sicherheit sein. Das tat sie auch, und sie war sicher.

Wenn sie jemand bedrängt hätte, wäre sie wehrlos gewesen, weil sie nie geübt hatte wie man sich verteidigt. Deshalb war jede Bedrängnis verboten.

Immer wenn eine neue Sicherheitslücke auftrat, veranlasste sie deren Schliessung durch geeignete Verbote, und deren polizeiliche Durchsetzung.

Schliesslich hatte es Frieda geschafft, und einen Zustand absoluter Sicherheit zu erreichen. Die Polizei hatte ihr Haus so gut abgesichert, dass niemand mehr hinein konnte.

Lesetipp: Beatrice Grimm - Araidnefaden

Sonntag, 24. Januar 2010

Fabelhaft

Die Kinder spielten draussen mit dem Ball, und als Isaac dazu kam, begannen sie gleich mit einer diesen nervenden Fragen.

"Wieso fällt der Ball zu Boden, wenn man ihn hochwirft?"

Er wusste es nicht, aber zum Glück fiel ihm eine gute Ausrede ein: "Wegen der Erdanziehungskraft", sagte er.

Die Kinder waren zufrieden und spielten weiter.

Später frage er sich, ob das denn glaubwürdig sei, was er da so frei erfunden hatte, und deshalb prüfte er ob man dieselbe Ausrede auch bei anderen Gelegenheiten verwenden konnte.

In der Tat, er fand mehrere gute Beispiele.

Die Waage war besonders faszinierend, sie konnte sozusagen entscheiden welcher Gegenstand stärker von der Erde angezogen wurde.

So begann er selber an seine Ausrede zu glauben...

Tipp: Planet Schule - Newton und die Gravitation