Sonntag, 17. Mai 2009

Der heilige Stuhl

Konrad kam das erste Mal in den Club, er war von seinem Mentor eingeladen worden. Der Clubraum war groß, mit dunklem Holzboden, Ledersessel, die grossen Fenster boten eine weite Aussicht. So sah also ein Ort der reichen Leute aus.

Etwas schüchtern fragte Konrad bei einem Kellner nach seiner Verabredung, und der Kellner wies ihn zu einem Tisch. Sein Mentor war noch nicht da. Konrad nahm Platz, und wollte sich gleich den Stuhl zurecht rücken damit er eine bessere Übersicht hatte. Doch der Kellner stoppte ihn. Der Stuhl ist heilig und darf nicht bewegt werden! Konrad entschuldigte sich, und schämte sich dafür dass er die Gepflogenheiten dieser Leute nicht kannte.

Später, sein Mentor hatte gerade Platz genommen, bemerkte Konrad dass dieser seinen Stuhl sehr wohl zurecht rückte. Er sah zum Kellner, dieser wartete bis sich der Gast gesetzt hatte und musste auch den verschobenen Stuhl bemerken - aber der Kellner reagierte nicht. Als der Kellner wieder weg war, fragte Konrad seinen Mentor: wie geht das, sind diese Stühle nicht heilig? Der Mentor sah ihn an, musste kurz nachdenken, erinnerte sich an seine Zeit der Initiation, und lachte dann auf. Natürlich sind diese Stühle nicht heilig. Du bist noch unwürdig! Aber das sagt man den Unwürdigen natürlich nicht, sonst würden sie nicht gehorchen wollen.


Tipp: Benedikt XVI. - Grußworte an die Religionsführer Galiläas, 14. Mai 2009

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