Mittwoch, 6. Mai 2009

Für Niemand

Die Liefara waren bekannt für ihr Leistungsstreben. Es war ihr Ehrgeiz und ihr Stolz, Dinge herzustellen die andere gut gebrauchen konnten, und sie hatten ihre Lebensweise ganz darauf eingestellt, von der Schule bis zum Alter. Bei den umliegenden Völkern waren sie hoch angesehen ob ihrer Leistungen, wiewohl oft auch etwas beneidet um die von ihnen im Laufe der Zeit angehäuften Reichtümer.

Und so kam es, dass immer mehr der anderen auch wie die Liefara werden wollten. Ihre Lebensweise wurde kopiert, anfangs zwar belächelt, aber als dann die anderen ebenso Erfolge einfahren konnten, wurde auch den Liefaran bange um ihren Status, und es entbrannte ein harter Wettbewerb darum, wer denn die meissten Dinge am besten und effizientesten herstellen konnte.

Das führte dazu dass die Dinge immer mehr und billiger wurden, immer mehr Menschen konnten sich leisten, was bislang für sie unerschwinglich gewesen war. Es begannen sich allerdings auch vermehrt Mängel einzuschleichen, der harte Wettbewerb forderte seinen Preis. Und die Produzenten bekamen zunehmend das Problem dass sie nicht mehr wussten was sie noch herstellen sollten, um neue Erfolge erringen zu können. Die Suche nach neuen Märkten führte zu immer seltsameren Auswüchsen, Dinge die zwar keiner brauchte, die man aber als modern beworb und die man haben musste, zumindest sagte das die Werbung im verzweifelten Versuch, so die Verkäufe hochzutreiben.

So wurde der Wettbewerb immer härter, die Menschen arbeiteten immer mehr, steigerten sich so in die Leistungssteigerung hinein, dass sie an nichts anderes mehr dachten. Wenn man sie fragte, wofür sie das tun, antworteten sie, "um im Wettbewerb bestehen zu können", oder, "um an die Spitze zu kommen", oder - jene die das geschafft hatten - "um an der Spitze zu bleiben". Auf die Frage, welche Bedürfnisse sie denn hätten im Leben, reagierten sie aber verwirrt. Welche Bedürfnisse? Für das Nötige zum Leben war doch gesorgt, so dass man für die Arbeit gerüstet war. Was soll es sonst noch für Bedürfnisse geben? Es musste schon lange keiner mehr Verhungern, darauf war man stolz. Aber wenn doch aller Leute Bedürfnisse gestillt sind - für wen arbeitet man dann? Aber bis diese Frage an die Reihe gekommen wäre, waren alle befragten Menschen schon wieder dahin, auf dem Weg um mehr liefern zu können.

Musiktipp: Geier Sturzflug - Bruttosozialprodukt

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