Sonntag, 5. Juli 2009

Der Antiegoist

Er ging immer von den anderen aus. Was sie wollten das tat er, was sie fragten das beantwortete er, was sie sagten dem hörte er zu, was sie von ihm erwarteten das erfüllte er, was immer er sollte das tat er, wie immer er sein sollte so war er.

Er war ein braves Kind, ein lieber Bub, ein guter Schüler, ein pflegeleichter Nachbar, der beste Mitarbeiter und der beste Soldat. Er war für alles zu haben und für nichts zu schade. Und er war ein guter Gedankenleser.

Aber er brauchte immer jemand der ihm sagte was er tun sollte oder der ihn in ein Gespräch verwickelte. Alleine war ihm langweilig, alleine begann der zu lesen oder fern zu sehen. Und er konnte es nur dort aushalten wo ihn alle beschützten, denn überall anders musste er sich fürchten, sich fügen und leiden.

Und er konnte keine Frau für sich finden, denn die die ihn kommandierten gefielen ihm nicht, und die die ihm gefielen die fingen nichts mit ihm an, und er konnte nichts mit ihnen anfangen, denn das hatte er nie gelernt.

Aber irgendwie schaffte er es, die Welt auszutricksen und in dem Schlamassel zurecht zu kommen. Er gestaltete seine Umwelt so, dass sie ihn dorthin führte wo er hin wollte. Den Sternen übertrug er die Aufgabe, seine Ziele zu bestimmen, dem Schicksal lastete er alle Fehler und Zwänge an, und für die Sache mit den Frauen trickste er mit Gott, den Eltern und anderen Leuten, die eine Verbindung vermitteln sollten.

Musiktipp: 50 Cent - Wanksta

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