Samstag, 4. Juli 2009

Antipoden

Einst war ein Planet, dessen Landmasse sich in zwei grosse Kontinente gespalten hatte. Auf dem einen Kontinent lebten die Egoisten, auf dem anderen die Alturisten.

Die Egoisten waren wenige an der Zahl, gross und stark, und sie waren darauf bedacht immer grösser und stärker zu werden. Sie mussten das auch, um sich im harten Wettbewerb gegeneinander bestehen zu können. So hatten sie hohe Fertigkeit in der Entwicklung von Werkzeugen und Waffen, sie beuteten dazu die Rohstoffe ihres Kontinents aus, verschmutzten Boden, Wasser und Luft ihres Kontinents und nur aus der Not heraus bremsten sie sich etwas ein. Aber durch die schlechte Lebensqualität hatten sie sehr zu leiden.

Die Altruisten waren viele, sie liebten ihre Kinder und überhaupt alle Menschen. Sie kannten nur Altruisten. Sie gingen auch sorgsam mit ihrer Umwelt um, achteten auf nachhaltige Nutzung und lebten friedlich zusammen. Dazu entwickelten sie viele Hilfmittel, Musik, Gesang, Malerei, nicht zuletzt die Kochkunst. Es wurde ihnen allerdings im Laufe der Zeit langweilig, waren doch die Abläufe in ihrem Leben immer gleich und die Herausforderungen gering. Nur die zweitweise aufziehenden dunklen Wolken machten ihnen Angst, aber was konnte man schon tun als sich trösten und Hoffnung spenden.

Eine Wende geschah, als die Egoisten in ihrer Not wagten, mit Schiffen in'die unbekannte Weite des Meeres vorzustossen. Es war eine weite und schwere Farht, nur wenige der Schiffe schafften es bis zum Kontinent der Altruisten. Was sie dort sahen, beeindruckte sie sehr. Freundliche Menschen, gutes Essen wurde ihnen freigiebig angeboten, überall war es grün und die Luft war gut. Die Egoisten waren aber nicht gekommen um sich verwöhnen zu lassen, sie suchten nach Rohstoffen und versklavten dazu auch einige der Altruisten, die in Gegenwehr nicht geübt waren und alles wie willenlos über sich ergehen liessen. Doch sie waren keine guten Arbeiter, und die Ausbeute an Rohstoffen war sehr gering, sodass die Egoisten das Interesse verloren.

Sie nahmen nur einige der Altruisten und einige ihrer Kultobjekte mit auf ihre Schiffe, als Schauobjekte, um doch noch Profit aus ihrem Eroberungszug ziehen zu können. Auf dem Kontinent der Egoisten wurden die seltsamen Kunstwerke der Altruisten bestaunt, und ihre Verhaltensweisen belächelt. Lediglich die Erzählungen von den vielen Menschen die auf dem Kontinent der Alturisten friedlich und gesund zusammen lebten weckte eine leise Sehnsucht. Und die Altruisten, anfangs zutiefst beängstigt, verstört und abgestossen von den Egoisten, erkannten doch auch eine gewisse Qualität in ihren Werkzeugen und Bauten, die auch das Leben auf ihrem Kontinent noch verbessern könnte. Und so entwickelte sich im Laufe der Zeit eine rege Handelsbeziehung zwischen den beiden Kontinenten, in der sie lernten ihre Stärken auszutauschen und ihre Schwächen zu schützen.

Tipp: Antipoden Projekt

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