Dienstag, 6. Oktober 2009

Feindesliebe

Jesus liebte alles. Er nahm alles hin, jede Verletzung die ihm die Welt zufügte - er wusste, es waren nur die Schwächen der Welt, die dazu führten dass man ihn so behandelte. Deshalb nahm er geduldig das Leid der Welt auf sich, und er war stolz dabei.

Bis er nicht mehr konnte.

Bis seine Seele nach Rache trachtete und nach ihren Feinden suchte. Bis er erkannte, wie schrecklich die Menschen miteinander umgingen, wie nachlässig, misstrauisch, missachtend. Es war als ob er die Büchse der Pandorra geöffnet hätte, als sich sein Bewusstsein für alle Schrecken der Welt öffnete, die er bislang unbeachtet gelassen hatte in seinem Bestreben alles zu lieben.

Er sann auf Blutrache.

Alle Menschen die ihm bösen getan hatten, alle Menschen die anderen böses taten, waren seine Feinde. Er wollte die Gotteshäuser der falschen Menschen in die Luft sprengen, die dort heilige Texte beteten aber schon in der nächsten Minute genau das Gegenteil dessen taten was sie gesagt hatten. Er wollte die Anführer erschlagen, die Kriege anzetelten oder einen ihrer Gefolgsleute schlecht behandelten.

Bis er erkannte: Wir sind es.

Die Menschen tun das, was sie können. Auch wenn manche mehr erwarten, andere weniger. Auch wenn viele nicht wissen welche Wirkungen ihre Taten auf andere haben. Auch wenn viele in ihrer Not sich nicht anders zu helfen wissen als sich an dem kleinsten Erfolg, den sie erlangen können festzuhalten. Wenn sich die Menschen gegenseitig verletzen können sie es nicht bemerken weil sie sich selber Feind sind. Wir sind Kinder der Not.

Und er war einer von ihnen.

Einer in der besonders glücklichen Lage, keine derartige Not erlebt zu haben dass er andere ausnutzen hatte müssen. Und einer der deshalb die Freiheit und die Pflicht hatte, etwas zu tun um eine Verringerung des Leides herbeizuführen, das er selber kannte, jene Verhaltensweisen von denen er wusste dass sie Schaden anrichteten. Und auf eine Weise, dass er nicht die Menschen in Not bekämpfte und so ihre Not noch verstärkte, sondern dass er etwas tat um ihre Not zu verringern.

So liebte er seine Feinde wirklich.

Und er tat es, weil es ihm ein eigenes Bedürfnis war, weil er so ein eigenes Ziel hatte von dem er wusste dass es sich zu erreichen lohnte. Es war nicht etwas das andere vorgaben zu brauchen, sondern etwas Von dem er selber wusste dass es grosse Wertschöpfung bringen würde, für ihn und alle künftigen Menschen in einer ähnlichen Situation.

So wurde er zum Heiland.

Tipp: Heilung traumatischer Erfahrungen

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