Donnerstag, 1. Oktober 2009

Modellleben

Die Menschen wollten sich selbst verbessern. Sie machten sich ein Modell vom idealen Menschen, und strebten danach, dies zu verwirklichen.

Es war eine gute Idee, brachte Veränderung in ihre Gemeinschaft, sie hatten wieder einen Anreiz, ein Ziel. Das war nötig geworden, denn das ruhige Leben zuvor hatte zwar den alten und schwachen Menschen gefallen, aber die jüngeren, voller Energie die sie nicht einsetzen konnten, waren unzufrieden und aufsässig geworden.

Also hatten sie sich ihren idealen Menschen gemacht, dort alles Gute hinein gepackt, das sie sich wünschten, liessen alles weg das sie nicht mehr haben wollten. Hilfsbereitschaft für die Schwächeren, Mut und Einsatzbereitschaft für die Stärkeren, Höflichkeit und andere Tugenden für alle.

Von Anfang an ging es ihnen sehr gut damit, das Modell war gut gewählt, das so koordinierte verhalten führte zu einer Verbesserung für alle Beteiligten. Man begann also, das Modell noch zu verstärken, es wurden Anreize gesetzt, Lohn für jene welche sich besonders Vorbildhaft verhielten, Strafe für jene welche sich abweichend verhielten.

Aber mit der Verstärkung der Durchsetzungsmethoden begannen auch die Schwierigkeiten. Manche begannen, das Modell zu ihren Gunsten zu beeinflussen, sich so Vorteile gegenüber allen anderen zu verschaffen. Nachdem das zu oft passiert war, musste man eine zentrale Verwaltung des Modells errichten. Es wurde in einem heiligen Schrein verwahrt und gut gehütet.

Das ging für eine Weile gut, aber langsam schlich sich wieder vermehrt Unzufriedenheit ein. Immer mehr Menschen vertrauten nicht mehr auf die Kraft des Modells, begannen zu rebellieren, kehrten sich überhaupt von der Verbesserung des Menschen ab und suchten ihr Heil in der Verbesserung ihrer Lebensumstände. Konflikte regelten sie nicht mehr per Verweis auf das Modell sondern durch Gesetze und Verträge. Wobei sie aber für die gerechte Gestaltung der Gesetze sehr wohl das Modell vom Menschen verwendeten, aber das ist eine andere Geschichte.

Nur ein kleiner Rest von Modellgläubigen bleib übrig, aber diese konnten kaum mehr ihre ursprüngliche Kraft entfalten. Es hatten sich nämlich im Laufe der Zeit die Lebensumstände verändert, nur war ihnen das nie aufgefallen, weil sie immer nur auf das Modell geachtet hatten. Und so waren sie in einem inneren Konflikt gefangen, einerseits straften sie sich selbst, wenn sie vom Modell abwichen, andererseits strafte sie das Leben, wenn sie sich unangemessen verhielten.

Tipp: Wikipedia - Beichte

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