Mittwoch, 30. September 2009

Moralverlust

Kurt war am Land aufgewachsen, auf einem Bauernhof. Dort hatte er gelernt wie das Leben seinen Lauf geht, Jahr für Jahr. Was man säät, das erntet man. Und das war für ihn kein Sprichwort, sondern Alltag gewesen. So hatte er ein ganz natürliches Moralverständnis, dem zufolge er auf die Umwelt achtete, dem zufolge er Vorräte anlegte, und auf nachhaltige Wirtschaft Wert legte.

Als Kurt in die Stadt zog, änderte er nichts an seiner Einstellung, wobei er auf vieles selber nicht mehr acht geben musste, da es andere taten. Im Supermarkt gab es das ganze Jahr über alles zu kaufen, die übernahmen die Vorratshaltung. Die Lebensmittel wurden von Bauern geliefert, die hatten die nachhaltige Wirtschaft, und auf die Umwelt achteten auch alle, inclusive der Müllabfuhr.

So dachte sich das Kurt anfangs, oder eigentlich dachte er sich garnichts sondern merkte erst im Laufe der Zeit, dass es garnicht so war. Vielen Menschen war es ganz egal, ob irgend ein Bauer nachhaltig wirtschaftete oder ob irgendwo Vorräte gelagert waren oder wo der Müll hin gebracht würde. Hauptsache es gab etwas zu kaufen und der Müll wurde weg gebracht.

So entsetzt Kurt anfangs über diese Verantwortungslosigkeit der Menschen war, so viel besser als die Anderen er sich dabei selbst fühlen konnte - er musste feststellen, dass er selber kaum etwas daran ändern konnte wie andere ihr Leben gestalteten. Und so beschloss er schliesslich, es selbst genauso zu machen und einfach nur auf das zu achten was er in seiner Umgebung erlebte und tat. Sollten sich doch andere darum kümmern dass, falls durch das Verhalten aller Einzelnen Probleme entstanden, eine Lösung initiiert werden würde.

Musiktipp: Coldplay - High Speed

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