Montag, 28. September 2009

Individuation und Sozialisation des Wissens

Einst hatten die Götter alles gesehen und alles gewusst. Doch nachdem sie sich in heiligen Kriegen zerstritten hatten, wer denn nun der wäre dem man glauben müsste, begannen anderen, die selbst keine Götter waren und nicht an den Streitigkeiten beteiligt waren, Schiedsgerichte abzuhalten, Gesetze aufzustellen, auf dass sich die Götter nicht mehr so oft in die Quere kämen beim Versuch sich wechselseitig ihre Gläubigen abspenstig zu machen.

Es waren dann auch keine Götter mehr, sie wurden zu Wissenschaftlern degradiert. Jeder von ihnen musste sich mit dem Blick auf einen kleinen, dafür aber eigenen Teil der Welt begnügen. Ausserdem musste jeder von ihnen seine Ansichten genau dokumentieren, so dass es bei Streitigkeiten zwischen zwei Wissenschaftlern möglich war festzustellen wer recht bekam und wer nicht.

Wenn also die Wissenschaftler so ihren Blicken auf die Welt folgten, dann beschritten sie dabei gewisse Wege. Welche, das wussten sie vorher nicht, denn jeder Wissenschaftler suchte zwar nach etwas bestimmtem, aber er wusste ja vorher nicht, wo er es überall finden würde. Und so sammelte ein jeder seine eigenen Erfahrungen an und Kompetenzen in seinem speziellen Bereich.

Je mehr sich die Wissenschaftler auf ihre eigenen Bereiche konzentrierten, desto weniger konnten sie sich untereinander verstehen. Das führte dazu dass, immer wenn es irgendwo ein komplexeres Problem zu lösen galt für das man mehrere Spezialisten brauchte, sich diese nicht verstanden und es ihnen nicht möglich war, ihre jeweiligen speziellen Kenntnisse miteinander zu verbinden. Es passte einfach nichts zusammen.

Es waren wieder die anderen, die die Verwirrung lösten. Die Menschen, welche die Spezialisten für die Lösung ihrer Probleme zu Hilfe gerufen hatten, erkannten nämlich mit der Zeit, wessen Ratschlag für welchen Teil des Problem am geeignetsten war. Und so leissen sie die Fachleute nicht mehr lange untereinander diskutieren, sondern stellten jedem getrennt jene Fragen von denen sie erwarteten dass er sie beantworten würde können.

Tipp: Wikipedia - Sozialisation

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