Freitag, 11. Dezember 2009

Orientierung

Roland war hungrig und wusste sich nicht zu helfen. Deshalb schrie er einfach los, so lange bis ihm jemand half und zu Essen gab. Diesem jemand schloss er sich dann, auf dass er weiter zu essen bekam. Es war seine Mutter, und er noch ein Baby.

Mit der Zeit begann er sich aber noch für andere Dinge zu interessieren als nur seine Nahrungsversorgung. Er begann, die Umwelt zu erkennen, Dinge und Menschen zu sehen, Sprache zu hören. Er mochte es, wenn sich jemand mit ihm beschäftigte, diesen Menschen folgte er dann gerne.

Als er dann begann, selber die Welt zu entdecken, Sachen anzustellen, da merkte er wie andere sich wegen seines Verhaltens mit ihm beschäftigten. Manches wurde freudig begrüsst, anderes getadelt, vieles war einfach so gesehen, und manches löste grosses Unwetter aus.

Erst als er bemerkte dass es gewisse Regelmässigkeiten gab, worauf die Leute wie reagierten, traute er sich auch selber Sachen zu tun ohne dass ihn jemand begleitete. Er wusste ab jetzt selber was richtig und was falsch war.

Aber das war nicht genug, es gab Unterschiede. Manches von dem was richtig war, war besser als anderes. Die Lehrer vergaben Noten, beim Spielen genügte es nicht nur nach den Regeln zu spielen, es ging auch um's Gewinnen. Danach strebte er ab jetzt.

Er war in manchen Sachen sehr gut, die tat er sehr gerne - und es begann ihn zu stören wenn andere das schlecht machten, so gar keinen Wert darauf legten. Erst wollte er ihnen helfen, aber dann musste er lernen dass niemand seine Hilfe wollte. Die anderen strebten nach ihren eigenen Erfolgen, und wenn er ihnen helfen wollte, musste er es als Dienst in ihrem Sinn anbieten statt als Fehlerkorrektur.

Und dann kam die grosse Krise. Er wollte nicht mehr. Er wollte nicht mehr gestopft werden, nicht mehr nach Aufmerksamkeit ringen, gut sein - gut für wen? Nicht mehr alles richtig machen müssen, die Erfolgssucht führte doch nur zu Konkurrenz und Gier, und die Werbung versprach nur Schrott den keiner brauchte, das dafür aber umso aufdringlicher.

Er beschloss, selber herauszufinden was in seiner jetztigen Situation sinnvoll ist und was nicht, was ihm wirklich schmeckte, wie er sein Leben gestalten konnte so dass er seine Bedürfnisse und jene seiner Welt erfüllen konnte, soweit er sie erkannte und soweit die Möglichkeiten verfügbar waren.

Tipp: Wikipedia - Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung

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