Mittwoch, 24. Juni 2009

Ausser Kontrolle geraten

In den letzten Wochen schon war Hermann immer schnell mit dem Auto unterwegs gewesen. Er wollte die Grenzen testen. Er hatte schon gelernt dass es einen Punkt gab an dem das Auto nicht mehr direkt auf die Lenkung reagierte sondern sich seine Eigendynamik bemerkbar machte. So zeigte sich dass nicht er das Auto steuerte sondern dass es ein eigenes Ding war, und er nur an dessen Lenkrad drehte.

Er hatte bei solchen Fahrten mitunter Fantasien von Unfällen, wie er von der Strasse abkommen würde, das Auto in den Garten eines Hauses stürzen würde, und er sich dann mit dem Hausbesitzer wegen der angerichteten Schäden streiten und schlagen würde. Selbstverständlich würde er dabei gewinnen.

Bei einer der Fahrten kam Hermann an einer Engstelle ein Auto entgegnen. Er reagierte sofort, wich aus, kam dabei knapp an den Rand der Böschung, streifte einen Telefonmast, blieb dann am Fahrbahnrand stehen. Er war glücklich. Im Rückspiegel sah er, dass der andere Fahrer stehen geblieben und ausgestiegen war, er stieg also auch aus.

Der andere Fahrer, ein Bekannter aus der Gegend, war offensichtlich nicht so glücklich. Er schimpfte etwas von wegen, dass Hermann viel zu schnell unterwegs gewesen sei, mindestens 60, dass er in den Abgrund gestürtzt wäre wenn da nicht der Telefonmast gewesen wäre, und dass er sich so etwas von ihm nie erwartet hätte.

Da wurde Hermann zum ersten Mal klar wie Menschen auch fürsorglich klingende Worte falsch einsetzen konnten, denn 60 war er zwar vllt. gefahren, aber die Autospur zeigte dass er auch ohne den Mast nicht in den Abgrund - es ging an der Engstelle etwa 10 Meter steil hinab zu einem Bach - gefahren wäre, nur hatte der sich das garnicht angesehen. Und wenn er falsche Erwartungen an Hermann gehabt hatte und Hermann jetzt die Schuld an deren Enttäuschung gab, ja meinte der denn alle anderen seien verpflichtet seine Täuschungen aufrecht zu halten?

Musiktipp: AC/DC - Highway to Hell

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