Es war schon in der Anfangszeit der Aktienbörse, dass sich das Geschäft der Aktienhändler etabliert hatte. Sie taten was alle Händler tun, nämlich Angebot und Nachfrage zu überbrücken und somit die Aktien für die eigentlichen Interessenten leichter zugänglich zu machen bzw. wieder leichter veräusserbar. Die Flüssigkeit des Marktes erhöhten sie, wie sie das in ihrer bildhaften Sprache nannten.
In einer späteren Zeit, als Wirtschaftswissenschaftler kamen, um sich ein Bild vom Geschehen zu machen, unterschieden sie nicht zwischen jenen, welche Anteile einer AG erwerben wollten, und jenen welche mit Aktien handelten. Somit konnten sie ein gemeinsames Modell für alle an der Börse tätigen Menschen aufstellen, und als gemeinsames Motiv aller konnten sie feststellen, dass es darum ging, ihren Profit zu maximieren, sei es durch die Gewinnspanne zwischen Ein- und Verkauf oder durch die Dividendengewinne.
Es gab zu dieser Zeit eine allgemein gute Wirtschaftslage, viele Menschen hatten mehr Geld als notwendig um den Alltag zu bestreiten, und so sahen sie sich danach um, was sie mit dem Geld machen konnten, bzw. sahen sich Banken danach um, wie sie den allgemeinen Wohlstand nutzen konnten. Und Aktien waren eine willkommene Möglichkeit zur Geldanlage, da in der momentan guten Wirtschaftslage auch hohe Dividenden zu bekommen waren.
In weiterer Folge stiegen die Aktienpreise, und es war absehbar dass dies auch weiterhin der Fall sein würde, also begannen die Aktienhändler AKtien zu kaufen, eben in Erwartung der steigenden Nachfrage. Und darüber hinaus begannen auch die Geldanleger Aktien im Sinne des AKtienhandels zu kaufen, man trachtete nach der Profitmaximierung, und man hatte Erfolg, denn es gab eine kritische Masse die gross genug war um selbst für steigende Preise zu sorgen - und ihr Erfolg war so gross dass sie immer mehr Menschen anlockte. Spekulationsblase nannte man das später.
Was all die Menschen nicht bedacht hatten war, dass es zwar im Eigensinn der an der Börse tätigen Menschen war, ihren Profit zu maximieren, dass dies aber nur der Lohn für eine erbrachte Dienstleistung war. Der primäre Zweck der Aktien war es, Firmenanteile erwerben zu können und so Kapital und Stimme einbringen zu können, der sekundäre Zweck war, den Wechsel der Aktieninhaber zu erleichtern. Aber in der Eigendynamik der Spekulationsblase
konnte man all dies nicht mehr erkennen, im Gegenteil geschah es dass kein wirklich an einer Firma interessierter Mensch mehr Aktien kaufte, da diese viel zu teuer dafür waren. Statt dessen waren es nur noch Händler und Hobby-Händler, die sich in einen Rausch hineinsteigerten ohne zu merken was sie eigentlich taten. Und selbst die erfahreneren Händler konnten nicht anders als eine Zeit lang mitzumachen, da sie sonst in der Konkurrenz des Geschäfts verloren hätten.
Doch irgendwann waren die Preise zu hoch, kamen nicht mehr genug neue Interessenten hinzu um die Preise weiterhin so schnell steigen zu lassen - und es begann erst der leise Zweifel, ob es so weiter gehen würde, und dann schlug die Stimmung um auf Katastrophe. In Panik begannen die Spekulanten ihre Aktien zu verkaufen, um noch einen guten Preis zu bekommen, bevor es erwartungsgemäß noch viel tiefer gehen würde. Viele, besonders jene die spät eingestiegen waren, hatten viel Geld verloren. Aber auch jene Firmen, welche aufgrund der hohen Kurse günstige Kredite bekommen hatten, bekamen plötzlich finanzielle Probleme, manche zweifelten an der Wirtschaftsleistung ganz allgemein. Und so stürzte die vormals blühende Wirtschaft nach dem Rausch in eine Depression.
Webtipp: Robert Rethfeld - Die Anatomie der Spekulationsblase
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