Einst lebten die Menschen in überschaubaren Gruppen, Grossfamilien, und die jeweils Ältesten unter ihnen, jene die nicht mehr Pläne für die Jagd schmiedeten oder mit den Kindern beschäftigt waren, hatten den Überblick über die Gemeinschaft und waren Ansprechpersonen bei Konfliktfällen und wenn es um die Weitergabe des alten Wissens über das Leben und die Rituale ging.
Als aber die Menschen mehr wurden, Gruppen enger zusammen lebten und sich auch vermischten, funktionierte diese Organisation nicht mehr so gut. Es gab immer wieder Streitigkeiten zwischen den Gruppen, und die jeweils Ältesten konnten sich nicht immer einigen, hatte doch keiner den Überblick über alle Gruppen und Stämme.
Und so erfanden einige Stämme, die schon länger so mehr oder weniger friedlich zusammen gelebt hatten, einen künstlichen Ältesten. Gott nannten sie ihn, und sie beschrieben ihn so wie sie sich einen Ältesten erwarteten. Einen, der alles überblickt, der das Werden der Welt im Ganzen versteht und ob seiner Erfahrung gut erkennen kann was die Menschen bewegt auch ohne dann im Einzelfall direkt dabei gewesen zu sein, und einen der nicht selber im Trubel des Alltags verfangen ist. Sie verwendeten Gott als gemeinsame Referenz, zu der sich alle bekannten und die im Streitfall zumindest einen gemeinsamen Ansatzpunkt gab.
Weil es aber mit zunehmender Zahl der Menschen trotzdem schwer war, sich immer nur auf Gott zu berufen, begannen die Richter auch Gesetze zu verwenden um ihre Entscheidungen einheitlich treffen und auch diskutieren zu können. Es war ihnen aber immer wichtig, dass sie von Gott kamen, also mit Überblick über die Lage, mit Gerechtigkeitssinn und keiner der Streitenden besonders zugetan.
Irgendwann, die Menschen waren notwendiger Weise zur Verwendung von Beweismitteln und wissenschaftlichem Denken über gegangen, kam ihnen die alte Vorstellung von Gott seltsam unglaubwürdig vor. Denn es war nicht wissenschaftlich denkbar dass so etwas existierte, ein alles sehendes und alles bestimmendes Wesen, das die Menschen lenkte. Vor allem an letzterem störten sie sich sehr, war ihre Gesellschaft doch eine der Meinungsfreiheit und der demokratischen Beteiligung, da durfte es niemand geben der den Menschen heimlich etwas in's Ohr flüsterte.
Lesetipp: Stern.de - Richard Dawkins' Der Gotteswahn
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